Sonderveranstaltung Mttwoch. 08.09.2010, 20 Uhr, in der Reihe Piano today

Christian Rieger, Foto: Ana Ponce

Christian Rieger: Orgel

Improvisationen über „Suzanne un jour“ (Orlando di Lasso)


Sarah Nicolls: Klavier, Electronics

Neue Kompositionen (Nicholls) für Klavier und live-Elektronik

Orgel – Cembalo – Hammerklavier. Im Jazz oder Rock würde man ihn einen „Keyboarder“ nennen, auch wenn das Wort im Englischen grammatisch nicht korrekt ist. Christian Rieger hat sich einen Namen in der historischen Aufführungspraxis gemacht. Er gehörte u. a. sechs Jahre lang zu Reinhard Goebels Musica Antiqua Köln und hat von der Kritik gefeierte CDs mit renommierten Kollegen wie dem Geiger Anton Steck oder der Flötistin Dorothée Oberlinger vorgelegt, vornehmlich mit Musik von Johann Sebastian Bach. Seine Interpretationen von Solowerken Bachs gehören nach der Beobachtung vieler Publizisten zu den wegweisenden Neuaufnahmen der Szene. Rieger ist Professor für historische Tasteninstrumente und Ensembleleitung an der Folkwang Universität Essen. Sein Programm für Schloß Borbeck: Orgel-Improvisationen über Themen und Motive der Messe „Suzanne un jour“ eines Meisters der Hochrenaissance: Orlando di Lasso. Und das in einer Serie mit dem Vorsatz piano today? – Ja, denn die Entdeckung der so weit entfernten Werke der Komponisten vor Bach war ein Hauptstrom in der klassischen Musik des letzten Jahrhunderts und ist es noch heute. Für die jungen Musiker war und ist das keine verschrobene Traditionspflege, sondern eine spannende Entdeckung von für sie aktuellen Klängen und Spielweisen. Dazu gesellt sich die Wiederentdeckung der Improvisation, einer Selbstverständlichkeit für Musiker bis weit ins 19. Jahrhundert. Danach galt das nur noch für Organisten. Von Christian Rieger dürfen wir ein spannungsreiches Spektrum erwarten zwischen der musikalischen Praxis des 16. Jahrhunderts und zeitgenössischen Strukturen. Er hat mehrfach Alte Musik für Kinofilme neu arrangiert und sogar eine Schöne Helena von Jacques Offenbach an der Düsseldorfer Oper einstudiert.

Die englische Pianistin Sarah Nicolls gewann vor 10 Jahren den britischen Wettbewerb für zeitgenössisches Klavierspiel. Sie hat sich auf aktuelle Klaviermusik spezialisiert und bringt neben den Meilensteinen der letzten 50 Jahre von Luciano Berio über Karlheinz Stockhausen oder Pierre Boulez neue Werke junger Komponisten zur Uraufführung. Sie arbeitete mit so renommierten Orchestern wie der London Sinfonietta und dem Philharmonia Orchestra zusammen und ist mit ihren Soloprogrammen regelmäßig auf Radio 3 der BBC zu hören. Sie ist selbst auch Komponistin und Improvisatorin. In Schloß Borbeck stellt sie neue Werke vor, in denen sie das Spannungsfeld zwischen traditionellen Klavierklängen und ihrer live-Elektronik durchmisst, u. a. mit digitalen Zuspielungen und Loops. Sarah Nicolls hat aus Klavierteilen und elektronischen Elementen ein eigenes Musikinstrument konstruiert und lädt mit ihrem Partner, dem ElektronikMusiker Tim Exile, auch zu einem „Ambient Jam“ ein, einer immer wieder neuen spontanen Collage aus ihrem Klang- Universum, das alle nur denkbaren Sprach-, Musik- und Geräusch-Sounds umfasst. Die englischen Kritiker werden nicht müde, die strukturelle Logik ihrer persönlichen Entwürfe hervorzuheben.

VVK: 15.- EUR, AK: 18.- EUR